Olympia 1972 Basketball

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Beschreibung

Basketball

Dramatik und absurdes gab es für die Basketballer während der Olympischen Sommerspiele in München. Eine etwas sonderbare Diskussion über zu große Spieler im Vorfeld, ein Boykott während der Spiele und die wahrscheinlich 3 aufregendsten Sekunden im Basketball, die es jemals gab und die auch heute noch für Kontroverse sorgen.

Bei dem Turnier, an dem ausschließlich nur Männer teilnahmen, waren 191 Athleten aus 16 Nationen beteiligt, die in insgesamt 72 Spielen um Medaillen kämpften. Ausgetragen wurden die Spiele in 2 Gruppen zu je 8 Mannschaften. Die jeweiligen Gruppenersten und -zweiten spielten um Medaillen. Die Spiele fanden vom 27. August bis zum 9. September statt. Austragungsort war die Basketballhalle in der Siegenburger Straße in München (spätere Rudi-Sedlmayer-Sporthalle, heute der Audi Dome) mit 6.635 Plätzen.
Qualifiziert wurde sich zwei Jahre zuvor bei der Weltmeisterschaft im ehemaligen Jugoslawien. Komplettiert wurde das Teilnehmerfeld durch die besten Kontinentalvertreter und durch den amtierenden Olympiasieger aus den USA.
Nach den damaligen Regeln durften nur Amateure teilnehmen. Die Verantwortlichen der Sowjetunion umgingen diese Regel, indem sie erfahrene Spielveteranen einsetzten, die in keinem Sportverein offiziell registriert waren, dafür aber in Listen von Armeeangehörigen oder Mitgliedern öffentlicher Organisationen auftauchten.
Die Spieler der USA setzten sich jedes Mal neu aus College-Studenten zusammen, während die gestandenen Profis bereits auf der Tribüne Platz nahmen. Dies hielt die US-Amerikaner nicht davon ab, bei allen bisherigen Olympischen Spielen Gold zu holen. Auch dieses Mal war die Goldmedaille bereits fest eingeplant.

Bereits vor Beginn der Spiele sorgte das IOC für eine skurrile Diskussion, da sie sich ernsthaft damit beschäftigte, die maximale Körpergröße der Spieler auf 1,75 Meter bis 1,80 Meter zu begrenzen, was jedoch auf wenig Verständnis stieß und schnell wieder verworfen wurde. Der allgemeine Tenor war, das IOC solle sich um andere Aufgaben kümmern, dies falle nicht in ihren Zuständigkeitsbereich.

Während der Spiele wurde ein Spieler der puerto-ricanischen Mannschaft nach einem Vorrundenspiel des Dopings überführt. Das zuvor gewonnene Spiel gegen das ehemalige Jugoslawien mit 79:74 wurde trotzdem als Sieg gewertet. Die Fédération Internationale de Basketball sah diesen Vorfall anscheinend nicht als schwerwiegend genug an, um das Spiel zu revidieren. Lediglich im Wiederholungsfalle drohe ein Ausschluss an den Spielen.

Die Spieler der ägyptischen Mannschaft boykottierten nach dem palästinensischen Attentat im Interesse ihrer eigenen Sicherheit die Spiele und reisten ab. Die beiden noch auszustehenden Spiele in der Zwischenrunde gegen die Philippinen und in der Finalrunde gegen den Senegal wurden jeweils mit 2:0 für den Gegner gewertet.

Jedoch für den größten Aufreger sorgte zweifelsohne das Finale zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten von Amerika. Die USA als amtierender Olympiasieger, zuvor 7x hintereinander Olympia gewonnen, davon 4x gegen die Sowjetunion. Seit 63 Spielen ungeschlagen und haushoher Favorit. Bis dahin kam der Basketball-Olympiasieger noch nie aus einem anderen Land.
Auch politisch war dieses Spiel äußerst brisant. Zwar sahen sich die Olympischen Spiele als nicht politische Veranstaltung, jedoch waren die Spannungen während des Kalten Krieges zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt längst auch im Sport angekommen und gipfelten sich geradezu in diesem historischen Finale.

Das Drama für die US-Amerikaner begann drei Sekunden vor Ende des Spiels. Die UdSSR lag hauchdünn in Führung. Der US-Amerikaner Doug Collins erhielt nach einem Foul zwei Freiwürfe zugesprochen. Während der Ausführung des zweiten Wurfs ging die Sirene, doch die Schiedsrichter aus Bulgarien und Brasilien beendeten die Partie nicht. So gingen die USA mit 50:49 in Führung. Nach heftigen Protesten der sowjetischen Mannschaft, die zuvor eine nicht gegebene Auszeit gefordert hatten, erhielten sie noch zusätzliche 3 Sekunden. Die Auszeit musste aber wiederholt werden, da die sowjetischen Trainer den Tisch des Punktezählers störten. Nun wurde es völlig chaotisch. Die erneute Auszeit musste ein weiteres Mal wiederholt werden, da der damalige für die Stoppuhr zuständige Joseph Blatter (späterer FIFA-Präsident, bis er sein Amt 2015 wegen Korruptionsvorwürfen niederlegen musste), mit der Zeitmessung durcheinander kam.
In der allgemeinen Verwirrung nutzte der (zuvor von den Schiedsrichtern unbemerkt eingewechselte) Iwan Jadeschka die Unkonzentriertheit der US-Amerikaner und spielte einen weiten Pass auf seinen Teamkollegen Alexander Below, der plötzlich unterm Korb stand, sich noch gegen zwei Verteidiger durchsetzte und den Ball zum entscheidenden 51:50 Sieg für die Sowjetunion einwarf.
Daraufhin versanken die sowjetischen Spieler in einer Jubeltraube, während die US-Amerikanischen Spieler sichtlich geschockt lautstark protestierten.

Finale:

Sowjetunion – USA 51:50 (26:21, 25:29)
Austragungsort: Olympische Basketballhalle in München
Zuschauer: 6.335
Schiedsrichter: A. Arabadjian (BUL), Renato Righetto (BRA)
Meisten Punkte: S. Below 20 – Henderson, Brewer 9
Rebounds: A. Below 8 – Bantom 9

Der direkt nach dem Spiel eingereichte förmliche Protest des US-Amerikanischen Basketballverbands wurde vom fünfköpfigen Ausschuss der FIBA gehört, aber mit 3:2 Stimmen für die Sowjetunion gewertet.

Alle US-Amerikanischen Spieler und Verantwortlichen verweigerten die Annahme der Silbermedaille und zeigten ihren Unmut deutlich, indem sie der Siegerehrung fern blieben. Mehrmalige Versuche, die Spieler auch Jahre später noch zu ehren, scheiterten mit der Begründung, es wäre ein Eingeständnis einer Niederlage.
Bis heute hat kein Spieler die Silbermedaille je angenommen. Einige der Spieler verfügten sogar in ihrem Testament, dass weder ihre Ehefrauen noch ihre Kinder jemals eine Silbermedaille von diesen Olympischen Spielen annehmen dürfen.

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