Beschreibung
Schwimmen
Ein Ausnahmeathlet überstrahlte die Schwimmwettbewerbe bei den Olympischen Spielen 1972, sorgte bei der Siegerehrung jedoch für einen Eklat, während bei den US-Amerikanischen Schwimmerinnen ein Kleidungsstück für Furore sorgte. Ein weiterer Schwimmer verpasste auf unglückliche Weise die Goldmedaille und ein anderer hätte beinahe seinen Start verpasst.
Insgesamt gab es 29 Wettbewerbe im Schwimmen, davon 15 für Männer und 14 für Frauen. Die Wettbewerbe fanden vom 28. August bis zum 4. September statt. Austragungsort war die Olympia-Schwimmhalle in München. Erstmals wurde bei diesen Spielen auf Tausendstelsekunden genau gemessen und diese Werte auch publiziert. (Was sich in einem späteren Rennen als hilfreich erwies, dazu später mehr.)
In der Gesamtheit wurden die Schwimmwettkämpfe von den US-Amerikanern dominiert. Sie holten 17x Gold, 14x Silber und 12x Bronze. In 24 von 29 Wettbewerben wurden neue Weltrekorde aufgestellt und der olympische Rekord wurde in allen Wettbewerben verbessert.
Der herausragende Schwimmer bei diesen Olympischen Spielen war der US-Amerikaner Mark Spitz. Er gewann 7 Olympische Goldmedaillen und schwamm dabei jedes Mal einen Weltrekord.
Für einen Eklat sorgte er jedoch nach dem 200 Meter Freistilrennen. Während der Siegerehrung reckte er seine Sportschuhe, gesponsert von einem bekannten Markenhersteller, in die Höhe, woraufhin er vor eine IOC-Kommission geladen wurde. Diese konnte er jedoch glaubhaft davon überzeugen, dass dies nur der puren Freude über den Gewinn geschuldet war und keinerlei kommerzielle Interessen bestanden. Man schenkte seinen Aussagen jedoch wenig Glauben.
Bei den Frauenwettbewerben dominierte die Australierin Shane Gould. Sie holte 3 Goldmedaillen und das in Weltrekordzeit. Dazu eine Silber- und eine Bronzemedaille. Die beiden US-Amerikanerinnen Sandy Neilson und Melissa Belote, beide ebenfalls dreimalige Goldgewinnerinnen, konterten die großen Erfolge ihrer Rivalin mit einem T-Shirt mit der Aufschrift “Not everything that glitters is Gould” (Nicht alles was glitzert ist Gould).
Aber es gab noch mehr Kurioses während dieser Tage. Drei Tage nachdem der US-Amerikaner Rick deMont das 400-Meter Freistilfinale gewann, wurde er positiv auf Doping getestet. Die medizinische Kommission entschied daraufhin, ihn zu disqualifizieren. Erst einen Monat später stellte sich heraus, dass das angebliche Dopingmittel ein Mittel gegen Asthma war, dass er benötigte. Zwar hatte er dies seinem Teamarzt vor den Wettbewerben auf einem schriftlichen Fragebogen mitgeteilt, dieser vergaß jedoch die notwendige Information weiterzugeben. Somit blieb deMont weiterhin disqualifiziert und musste seine Medaille zurückgeben. Nutznießer war dadurch der Australier Brad Cooper, der nachträglich zum Olympiasieger gekürt wurde.
Heute kann man die Goldmedaille von Rick deMont im Olympischen Museum in Lausanne bewundern, in dem sie seit 1996 ausgestellt ist.
Kurios wurde es auch beim Schmetterlingsfinale über 100 Meter der Männer. Roland Matthes aus der ehemaligen DDR stieg, wie bei ihm üblich, erst als Letzter auf den Startblock, um eine lange Muskelspannung zu umgehen. Was er allerdings nicht bedachte, war der wechselnde Starter, der nicht, wie sonst üblich, abwartete, bis alle Schwimmer in Stellung gegangen waren. So kam es, dass er den Start verpasste und den anderen Schwimmern regelrecht hinterher springen musste. Es gelang ihm trotzdem noch den 4. Platz zu erreichen.
Noch skuriller wurde es beim Rennen über 400 Meter Lagen bei den Männern. Der Schwede Gunnar Larsson und der US-Amerikaner Alexander McKee schwammen exakt die gleiche Zeit von 4:31:98 min. Zuerst erschienen beide auf der Anzeigentafel als Gewinner. Acht lange Minuten beratschlagten sich die Kampfrichter unter dem gellenden Pfeifkonzert der Zuschauer, die vehement für beide Gold forderten. Nun machte es sich bereits bezahlt, dass man nun auch auf eine Tausendstelsekunde messen konnte. So ergab, das die Zeit von Gunnar Larsson 4:31,981 min. betrug, während die Zeit des US-Amerikaners mit 4:31,983 min. geringfügig länger war, was natürlich reichte, damit der Schwede die Goldmedaille bekam. Damit wurde McKee zum knappsten geschlagenen Athleten bei den Olympischen Spielen. Ein Rekord, den wohl niemand gerne haben möchte.
Damit war die Geschichte aber noch nicht vorbei. Bei einer Nachmessung aus dem Jahre 1973 stellte sich heraus, dass die Bahn von McKee geringfügig länger war, was durchaus im regelgerechten Toleranzbereich lag, aber eben genau jene Länge hatte, für die man etwa zweitausendstel Sekunden braucht.
Daraufhin wurde im gleichen Jahr das Messen auf Tausendstelsekunden wieder abgeschafft.
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